„Nicht alle Kreditinstitute über einen Kamm scheren“

Vorstand Andreas Banger wehrt sich gegen EU-Einlagensicherung – Gedankenaustausch mit NRW-Finanzminister Walter-Borjans

Gronau/Düsseldorf. „Wenn es um die Unterstützung der regionalen Wirtschaft geht, spielen Genossenschaftsbanken wie die Volksbank Gronaus-Ahaus eine zentrale Rolle. Dem muss die Politik Rechnung tragen!“ Das betonte Andreas Banger, Vorstandsmitglied der Volksbank Gronaus-Ahaus, im Anschluss an ein Gespräch von Genossenschaftsbankern mit NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans. „Der öffentliche und genossenschaftliche Bankensektor ist vor Ort in den Städten und Gemeinden fest verankert. Die Kreditinstitute kennen ihre Kundschaft und deren Risiken – das ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil und sorgt für Stabilität auch in Krisenzeiten“, sagte Walter-Borjans. Zu dem Gedankenaustausch hatte der Rheinisch-Westfälische Genossenschaftsverband (RWGV) nach Düsseldorf eingeladen.  

Besonders verärgert sind die Gesprächsteilnehmer über die aktuellen Pläne der EU-Kommission, eine europaweite Einlagensicherung aufzubauen. In diese sollen alle Banken und Kreditgenossenschaften einzahlen. „Unsere freiwillige genossenschaftliche Sicherungseinrichtung ist seit über 80 Jahren hochsolide, weil wir genau darauf achten, welche Risiken unsere Mitgliedsbanken eingehen“, betont Banger. „Es wäre ein Unding, wenn wir jetzt für andere Banken in der EU zahlen müssten, über deren Geschäftsmodelle wir überhaupt keine Kontrolle hätten“. Bei Genossenschaften werden Selbsthilfe und Verantwortung seit jeher groß geschrieben, wie RWGV-Vorstandsvorsitzender Ralf W. Barkey betonte. Die EU-Einlagensicherung bezeichnete er daher als „Frontalangriff auf unsere genossenschaftlichen Prinzipien“.  

Mit den Großbanken „über einen Kamm geschoren“ fühlen sich die Genossenschaftsbanken auch bei den umfangreichen Meldepflichten, die seit der Finanzmarktkrise über die Institute verhängt wurden. „Die Bankenaufseher verlangen Datenmengen, die für sehr viel größere Banken angemessen wären. Ein Beispiel ist das geplante neue europäische Kreditregister AnaCredit. Dieses hätte zur Folge, dass wir künftig zu den meisten unserer Kredite weit über 100 Datenpunkte an die Aufsicht melden müssten“, kritisiert Klaus Geurden, Vorsitzender des Verwaltungsrates des RWGV. RWGV-Vorstandsmitglied Siegfried Mehring forderte in diesem Zusammenhang mehr Gelassenheit von Politik und Bankenaufsehern. „Genossenschaftsbanken haben konservative Geschäftsmodelle, und sie werden jedes Jahr sorgfältig von ihren Verbänden geprüft. Es gibt also keinen Anlass für all diesen bürokratischen Aufwand“.

„Ziel der europäischen Bankeninitiativen ist es, den Finanzsektor sicherer zu machen und risikoreiches Geschäft so abzusichern, dass sie nicht die Finanzmärkte gefährden und der Steuerzahler dafür haften müssen“, sagte Minister Walter-Borjans. „Es kann deshalb nicht sein, dass kleinen, risikoarmen Banken der gleichen Regulierungsaufwand wie den internationalen, risikoreichen Banken aufgebürdet wird.“

Positives konnten die Gesprächsteilnehmer derweil aus ihren Geschäftsgebieten melden. Die Bilanzsummen der Genossenschaftsbanken in Rheinland und Westfalen erhöhten sich in den ersten zehn Monaten 2015 im Schnitt um 2,3 Prozent. Besonders dynamisch entwickelte sich das Firmenkreditgeschäft. Aber auch die privaten Kredite sowie die Kundeneinlagen nahmen deutlich zu. „Bei der Volksbank Gronau-Ahaus war die Entwicklung ähnlich positiv“, weiß Banger zu berichten.

Tauschten sich aus (von links): Ralf W. Barkey, Vorstandsvorsitzender des RWGV, NRW-Finanzminister Dr. Norbert Walter-Borjans und Andreas Banger, Vorstandsmitglied der Volksbank Gronaus-Ahaus eG.